Willkommen in der Realität

von Stefan Hauptenbuchner (Kommentare: 0)

"Wer zoit schafft o"

Vor Wahlen ist es üblich, dass die Kandidaten und Parteien mit vielen Sprüchen und Aussagen über Veränderung, Aufbruch und Erneuerung für sich werben. Auch der „frische Wind“ wird oft beschworen und so werden schon vor der Wahl weittragende Konzepte für den Umbau der Innenstadt präsentiert, der optimale Standort für Kino, Gastronomie und Kaufhäuser festgelegt, Verkehrskonzepte vorgelegt sowie die Umsetzung von Umwelt- und Tier-schutzprojekte gefordert. Dabei ist vieles einfacher gesagt als getan.

"Wer zoit schafft o"

Viele dieser Ideen sind dabei durch-aus interessant und diskussions-würdig. Allerdings sollte man sich vor Augen halten, wie die Umsetzung dieser Projekte abläuft und welche Behörden, Unternehmen und Per-sonen hier beteiligt sind. Plötzlich stellt man fest (oder es wird einem erklärt), dass es gesetzliche Vorschriften, unterschiedliche Zuständigkeiten von Behörden, komplizierte Förderver-fahren und Interessen von Anwohnern gibt. Letztendlich spielt aber auch der Wille der Investoren eine enschei-dende Rolle - „wer zoit schafft o“. Es kann also nicht einfach eine Straße verändert werden, wenn für diese nicht die Stadt Pocking zuständig ist, sondern der Landkreis. Oder es kann auch kein Kino in die Innenstadt ge-baut werden, wenn es dazu weder verfügbaren Grund noch einen Investor gibt. Und es macht auch keinen Sinn, einen Hochschulstandort anzustreben, bei dem kein konkreter Nutzen für die Bevölkerung ersichtlich und die langfristigen Kosten nicht überschaubar sind. 

Realistische Entscheidungen

Die Stadträte aus den verschiedenen Parteien und Wählergruppierungen haben deshalb die Aufgabe, unter Abwägung der oben genannten Faktoren und auch nach ausgiebigen Diskussionen, realistische und nach-haltige Entscheidungen für die Zukunft der Stadt Pocking zu fassen. 

Die Hauptaufgabe für die Vorbereitung und Umsetzung von Projekten aber, liegt bei den Mitarbeitern der Stadtverwaltung (unter der Leitung des ersten Bürgermeisters), die an dieser Stelle auch einmal positiv erwähnt werden sollen. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Städten, werden in Pocking mit weniger Mitarbeitern bessere Ergebnisse erzielt, was viel zur positiven Stadtentwicklung der letzten Jahre und Jahrzehnte beigetragen hat. 

Vorschriften, Vorschriften ...  

Dies ist auch deshalb erwähnenswert, da die Stadtbediensteten mit einer immer größer werdenden Flut von Maßnahmen, Gesetzen, Vorschriften und Richtlinien fertig werden müssen, die einem potentiellen Stadtrat gar nicht bekannt sind.

Alleine in den Bereichen Breitband-ausbau, Datenschutz, Artenschutz, Städtebauförderung oder dem neuen Digitalpakt für Schulen, gibt es ein komplexes Aufgabenspektrum, das ein breites Fachwissen der Mitarbeiter erfordert und oftmals eine hohe Arbeitsbelastung darstellt. Durch die Berücksichtigung dieser bürokratischen Auflagen, die sich manchmal auch als Hürden erweisen, werden so manche Ideen der Kommunalpolitiker hinsichtlich Machbarkeit, Finanzierbarkeit oder zeitlicher Umsetzbarkeit auf den Prüfstand gestellt.

So gibt es sicher in der Verwaltung Kopfschütteln über so manche Wahlkampfaussagen, da sich diese in der Realität oft nicht umsetzen lassen. Spätestens aber bei der Einschaltung durch die Fachleute der Stadt und anderer Behörden, dürfte sich so mancher „frischer Wind“ in ein laues Lüftchen verwandeln und einige auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden.

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